Betriebliche Diversifizierung als Risikomanagementstrategie

Eine Möglichkeit durch neue Betriebszweige zusätzliche Einkommensquellen zu erschließen

Der zunehmende Strukturwandel der letzten Jahre ist laut Strempl1 mittlerweile einer der bedeutendsten Stressfaktoren für Landwirt*innen. Immer weniger Betriebe bewirtschaften immer größere Flächen. Vor allem die damit zusammenhängende Angst vor finanziellen Problemen oder davor den Betrieb aufgeben zu müssen, spielt hier eine Rolle. Auch die Folgen des Klimawandels, wie Extremwetterereignisse, Dürren usw. stellen die Landwirtschaft vor neue Probleme und bedrohen die Existenzgrundlage vieler Landwirt*innen.

Eine Möglichkeit diesen Herausforderungen zu begegnen, kann die betriebliche Diversifizierung sein. In Deutschland hat bereits fast ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe diese Art von Einkommenskombination gewählt1. In der Regel folgt aus einer Diversifizierung ein resilienteres System. Das bedeutet, dass die Fähigkeit Störungen zu begegnen oder nach solchen zeitnah wieder in den Ausgangszustand zu gelangen, erhöht wird. Speziell in der Landwirtschaft bedeutet Diversifizierung den Auf- oder Ausbau neuer Betriebszweige, die ursprünglich nicht Teil der Produktion waren2. Durch neue Betriebszweige können zusätzliche Einnahmen generiert werden, sie gelten also als weiteres Standbein und dienen im besten Fall als Risikoabfederung2. Zusätzliche Einnahmequellen in der Landwirtschaft wären die Erzeugung Erneuerbarer Energien (34.600 Betriebe), Forstwirtschaft (23.000 Betriebe), Direktvermarktung (10.300 Betriebe) oder Tourismus (6.000 Betriebe)3. Konkrete Beispiele wären das Angebot von Ferienfreizeiten für Kinder, Ferienwohnungen, ein Hofladen oder die Betreuung von älteren Menschen. Solche zusätzlichen Betriebsbereiche stellen im Idealfall nicht nur eine weitere Einnahmequelle dar, sondern erhöhen auch den Kontakt und Austausch mit Verbraucher*innen. Durch solche Angebote entstehen wieder mehr Berührungspunkte zwischen der (Stadt-)Bevölkerung und der Landwirtschaft. Sie wird erlebbar. Ihr Image kann nachhaltig verbessert werden und das Interesse für die Produktion von Lebensmitteln wachsen.

Eine Diversifizierung ist allerdings kein Pauschalrezept für alle Betriebe. Sie kann sehr herausfordernd sein bzw. auch Nachteile mit sich bringen, so entstehen häufig relativ hohe Investitionskosten und eine zusätzliche Belastung, die nicht unterschätzt werden sollte. Laut Schöpe zeigt sich durch die Erwerbskombination nur bei rund 35% der Betriebe ein gewinnbringender Einfluss auf die Unternehmensbilanz2. Ob eine solche also überhaupt in Frage kommt, und wenn ja in welcher Form, sollte möglichst erst nach einer eingehenden Analyse entschieden werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine gut geplante betriebliche Diversifizierung in der Landwirtschaft eine mögliche Risikomanagementstrategie sein kann, um den steigenden Herausforderungen des Struktur- und Klimawandels zu begegnen. Sie kann insgesamt zu einem resilienteren Gesamtsystem führen und die Abhängigkeit von einem einzigen Produktionszweig und den damit zusammenhängenden Marktpreisen verringern.

Literatur

[1] Strempfl, Andreas (2010): Herausforderung oder Überforderung? Ursachen und Bewältigung von Stress in bäuerlichen Familien. In: Der kritische Agrarbericht 2010.
[2] Schöpe, Manfred (2011): Diversifizierung in der Landwirtschaft. In: ifo Schnelldienst 64.
[3] Kühnle, Ernst (1999): Unternehmensdiversifikation in landwirtschaftlichen Großunternehmen der neuen Bundesländer. Buchedition Agrimedia, Bergen/Dumme.
[4] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2018): Landwirtschaft verstehen. Fakten und Hintergründe. Berlin.