Burnout in der Landwirtschaft

Leben auf dem Bauernhof. Das süße Leben mit der Natur. Sorgenfrei zwischen Wald, Wiese und Tier… Nicht ganz.
Für viele Landwirte heißt es den lieben langen Tag: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Getrieben von wirtschaftlichem Druck, einem hohen Arbeitspensum und nicht selten auch einem Verantwortungsgefühl gegenüber vorherigen und noch kommenden Generationen.
Das geht nicht spurlos an allen vorbei.
Folge der Überarbeitung ist das Burnout-Syndrom. Eine Krankheit, die man eher in der Stadt vermutet als auf dem Land.

Doch was genau ist Burnout eigentlich?
Ursprünglich stammt der Begriff „Burnout“ aus der Kernphysik und bezeichnet, das Durchbrennen von Brennstoffelementen bei Überhitzung.
Diese Definition ist dem psychologischen Burnout-Syndrom nicht unähnlich. Burnout ist nämlich ein durch Überarbeitung entstandener Zustand, in welchem die Betroffenen psychisch und körperlich erschöpft/ausgebrannt sind.1
Die Überarbeitung, aufgrund des Ignorierens der eigenen Bedürfnisse, ist auch die wesentliche Abgrenzung zur Depression, denn bei jener herrscht keine Freude und Motivation am Leben, während das Burnout-Syndrom mit übermäßiger Begeisterung an Job und Leben beginnt. Burnout und Depression sind am Ende jedoch ein Zustand. Aufgrund dessen wird Burnout auch „Erschöpfungsdepression“ genannt. 2

Burnout ist keine Krankheit, die wie ein Schnupfen über Nacht plötzlich da ist. Es verhält sich eher wie ein Parasit, der unbemerkt den Körper unterwandert und schließlich nach Jahren die endgültige Macht hat.
Krankheitsanzeichen des Burnouts sind: 3,4

  • Ermüdung
  • Erschöpfung
  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Negative Einstellung
  • Niedrige Frustrationsschwelle
  • Depressive Verstimmungen oder Depression
  • Minderwertigkeitsgefühle
  • Sozialer Rückzug
  • Körperliche Beschwerden: Verdauungsstörung, Tinnitus, Rücken- und Gelenkschmerzen, Bluthochdruck, Schlaf- und Sexualstörungen

Um den Verlauf des Burnouts nachzuvollziehen wurde von Herbert Freudenberger und Gail North das Syndrom in zwölf Phasen gegliedert. Zu Beachten sei jedoch, dass die Phasen nicht in der untenstehenden Reihenfolge vorkommen müssen.5

Aber was sind die Ursachen des Burnouts? Und warum können auch Landwirte davon betroffen sein?
Landwirte sind in der Regel ihre eignen Chefs. Das heißt für sie gilt kein Arbeitsschutzgesetz, bei welchem sie sich an bestimmte Arbeitszeiten und Pausen halten müssen. Landwirte verbringen häufig weitaus mehr als acht Stunden täglich mit ihrer Arbeit und machen wenig Pausen.
Die Landwirte arbeiten unter steigenden Anforderungen: Sie müssen gleichzeitig Management, Landwirtschaft und Vorschriften unter einen Hut bekommen.
Viele Bauern bekommen wenig Anerkennung für ihre harte Arbeit. Besonders die Öffentlichkeit betrachtet jene Arbeit meist als selbstverständlich. Aber auch von der Familie kann es zu fehlender Anerkennung kommen. Noch dazu kommen teilweise Geldsorgen (z.B. durch schlechte Milchpreise), Konflikte und Probleme, die das Familienleben beeinflussen und Druck auf den Landwirt ausüben können.
Zu Beachten ist, dass für den Landwirt Arbeit und Zuhause ein Platz ist. Während der Mittagspause wird sich häufig auch darüber unterhalten, was noch ansteht und abends bleibt kaum eine Möglichkeit abzuschalten.
Belastend kann auch eine mögliche Tradition sein. Viele Höfe bestehen schon sehr lange und der Landwirt möchte vermeiden, dass unter seiner Verantwortung der Hof zu Grunde geht, also arbeitet er extra hart, um die Arbeit zu bewältigen. Außerdem besteht dadurch die Angst des Scheiterns. 1,2
Neben den von außen kommenden Faktoren kommen noch Persönlichkeitsfaktoren hinzu. Besonders Personen, die sehr perfektionistisch und ehrgeizig sind sowie jene, die sich keine Grenzen setzen können, sind gefährdet an einem Burnout zu erkranken, da sie Aufgaben eher weniger gerne abgeben und es lieber selber machen3.
Die Ursachen begründen sich also häufig durch Stress, hohe Arbeitsbelastung und fehlende Anerkennung sowie Persönlichkeitsfaktoren, die zu einem Burnout führen können.

Aber keine Angst! Die wenigsten Landwirte erkranken wirklich ernsthaft an Burnout. Der Mensch ist darauf ausgelegt auch Hochstressphasen zu überstehen. Jedoch sollte danach ein Ausgleich stattfinden, z.B. durch die Ausführung von Hobbys oder Zeit mit der Familie.4

Was macht Burnout mit dem Körper?
Link: Youtube-Video

Von Alexandra Eder

Literatur

[1] Strempfl, Andreas (2010): Herausforderung oder Überforderung? Ursachen und Bewältigung von Stress in bäuerlichen Familien. In: Der kritische Agrarbericht 2010.
[2] Schöpe, Manfred (2011): Diversifizierung in der Landwirtschaft. In: ifo Schnelldienst 64.
[3] Kühnle, Ernst (1999): Unternehmensdiversifikation in landwirtschaftlichen Großunternehmen der neuen Bundesländer. Buchedition Agrimedia, Bergen/Dumme.
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Burn-out#cite_ref-34
[6] https://www.gesundheitsmanagement24.de/praxisleitfaeden-checklisten/burnout-praevention-der-praxisleitfaden/
[7] http://www.der-wegberater.de/im-fokus/burn-out/burn-out-krankheitsphasen/
[8] https://www.topagrar.com/archiv/Total-erschoepft-986308.html
[9] https://www.netdoktor.de/krankheiten/burnout/
[10] https://www.palverlag.de/Burnout.html
[11] https://www.topagrar.com/archiv/Total-erschoepft-986308.html