In Deutschland existieren rund 260 000 landwirtschaftliche Betriebe, von denen nur ca. 30% über eine gesicherte Hofnachfolge verfügen1. Diese häufig nicht geregelte Hofübergabe kann verstärkt Auslöser für Konflikte sein. Gerade auf traditionellen Familienbetrieben ist eine klare Trennung zwischen Beruf, Familie und Freizeit nur selten möglich2. Spannungen in einem der Bereiche, wirken sich somit weitreichender aus. Zudem sind auf einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb meist mehrere Generationen betroffen. Die damit zusammenhängenden unterschiedlichen Werte und Vorstellungen können eine Lösungsfindung noch schwieriger machen. Wenn es beispielsweise für die Altenteiler-Generation Zeit wird das „Lebenswerk“ zu übergeben, kann die Situation für alle Beteiligten sehr herausfordernd werden. Insbesondere wenn die nachrückende Generation Veränderungen vornimmt, den Betrieb weiterentwickeln will und neue Herangehensweisen ausprobiert.

Wenn sich Konflikte verhärten, ist in manchen Fällen die einzige Möglichkeit fremde Hilfe anzunehmen, um Probleme „neutraler“ zu beleuchten. Es existieren ganz unterschiedliche Methoden und Ansätze, die einem in schwierigen Situationen helfen können. Eine davon ist die der Mediation.

Bei diesem Verfahren geht es darum, dass die Betroffenen mit Hilfe einer unabhängigen, dritten Person (Mediator*in) außergerichtlich, zu einer Lösung gelangen.

Warum kann eine Mediation hilfreich sein?

  • Dadurch, dass die Lösung gemeinsam erarbeitet wird, beinhaltet sie das Interesse aller Beteiligten, das Ziel ist eine Win-Win-Lösung.
  • Der/die Mediator*in achtet auf eine angemessene Kommunikations- und Gesprächskultur. So kann ein konstruktives, vertrauliches Gespräch stattfinden.
  • Eine Mediation kann die Verhärtung eines Konfliktes verhindern und bietet somit eine verhältnismäßig kostengünstige und zeitsparende Alternative im Vergleich zu anderen Verfahren.
Selina Schönenborn

1 Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2010)
2 Tann (2014) Hofübergabe, Familienkonflikte systematisch lösen. DLG-Verlag Frankfurt.